Anliegen

Schulfibeln sind Lehrwerke, die Kinder beim Erlernen der Schriftsprache unterstützen. Es gibt sie seit über 500 Jahren.
Ich betrachte sie als aufschlussreiche Zeitzeugnisse: Mich interessiert die historische Entwicklung des Lesenlehrens, der Methoden und Inhalte, der Bilder vom Kind und seinem Lernen. Ich suche nach didaktischen Pionieren, Leuchttürmen der Gestaltung, didaktischen Schätzen, nach gesellschaftlichen, politischen Zeitsignaturen. Dabei beschäftigt mich auch die Frage: Was kann man für heutiges Lesen- und Schreibenlehren daraus lernen?
 
Meine Erkundungen fasse ich in drei Bereichen dieser Website zusammen:
Überblicke
Gesamtschau über 500 Jahre Geschichte schulischer Alphabetisierung.
 

Zur aktuellen Arbeit

11. Mai 2026
Derzeit arbeite ich an der Methoden-Vielfalt, wie sie im 19. Jahrhundert entstand. Dazu lese ich eine Schrift für Lehrkräfte durch, die Mädchen unterrichteten. Nicht in Schulen, sondern im Hausunterricht, was in begüterten Familien der Zeit üblich war. Das Buch schrieb der schriftstellernde Pfarrer Carl Gottlob Hausius. Es kam 1804 heraus:
Neueste Lese-Schule für Mädchen oder Unterricht in der Buchstabenkenntniß und im Lesen nach einer neuen und leichten Methode.
Neben dem Methodischen sind hier die Inhalte besonders interessant, die an den Lehrgang anschließen:
"Ein kleiner Tugendspiegel" belehrt die Mädchen über 14 erwünschte Eigenschaften: Schweigsamkeit, Ordnung, Sparsamkeit, Fleiß, Reinlichkeit, Keuschheit und anderes, eben die gesellschaftlichen Erwartungen an eine Frau im Bürgertum.
Dazu liegt ein Formular mit einer Tugendtabelle bei. Täglich soll eingetragen werden, welche Tugend gelungen ist und wo Fehler gemacht wurden.
Schließlich noch 23 Kupferstiche mit Bilder-Puppen, die Frauen aus verschiedenen Ständen und bei verschiedenen Tätigkeiten vorstellen. Dazu Texte, in denen das beschrieben ist. Insgesamt ein Rollenbuch für Frauen in der Ständegesellschaft der Zeit.
Diese Inhalte sind für mein aktuelles Methoden-Thema zwar irrelevant, aber doch ein anschauliches Zeugnis für die Mädchenerziehung in der Ständegesellschaft.
Ich nehme mir vor, das später für ein Fibel-Porträt genauer zu betrachten. Es gibt übrigens auch das Pendant: die Lese-Schule für Jungen.

Zum Autor

Horst Bartnitzky

geb. 1940, Dr. h.c., Dipl.-Päd., war Lehrer, Schulleiter, in der Lehrerbildung und der Schulaufsicht tätig.

Er war viele Jahre Herausgeber und Autor der Zeitschrift Grundschule aktuell, der Fachbuchreihe Lehrerbücherei Grundschule sowie von Schulbuchwerken, unter anderem zum Anfangsunterricht.

Publikationsschwerpunkte sind Beiträge zur Pädagogischen Leistungskultur und zur Deutschdidaktik. Zuletzt: Sprachunterricht heute, Cornelsen-Verlag, 2019, 19. Auflage. Auf dem Weg zur kindergerechten Grundschule, Grundschulverband 2019

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