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28. Mai 2026
Bei meiner Lektüre von methodischer Literatur des 19. Jahrhunderts stieß ich auf den Lehrer Heinrich Deimel. Zunächst hatte er 100 Kinder in einem Raum zu unterrichten - quer durch die Jahrgänge. Ein paar Jahre später waren es 140, dann 180, 240. Die rasch fortschreitende Industrialisierung im Ruhrgebiet brachte rapide wachsende Schülerzahlen mit sich. Deimel erhielt von der Gemeinde eine Gehilfin, die 14-jährige Amalie, und ein neues Gebäude mit zwei Klassenräumen.
Bei diesen für uns heute kaum vorstellbaren Bedingungen schrieb er zum Unterricht der Kleinen: "Es ist selbstredend, dass der Unterricht auf dieser Altersstufe nur ein Spiel sein darf, dass er in das Gewand der rosigsten Laune gekleidet sein muss, damit er den Lernenden eine Lust bleibe."
Dieser Einstellung getreu schuf er seine eigene Fibel, in der die Buchstaben und ihre Lautung mit wunderschönen Geschichten eingeführt werden. Eine ganze Fibel voll "Buchstabenmärchen" zur "spielenden Erlernung der Lesekunst". Was für ein Pädagoge!
Dem Steeler Archiv sei Dank, dass es dieses Werk als Faksimile herausbrachte und Heinrich Deimel damit ein Denkmal setzte.