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11. Mai 2026
Derzeit arbeite ich an der Methoden-Vielfalt, wie sie im 19. Jahrhundert entstand. Dazu lese ich eine Schrift für Lehrkräfte durch, die Mädchen unterrichteten. Nicht in Schulen, sondern im Hausunterricht, was in begüterten Familien der Zeit üblich war. Das Buch schrieb der schriftstellernde Pfarrer Carl Gottlob Hausius. Es kam 1804 heraus:
Neueste Lese-Schule für Mädchen oder Unterricht in der Buchstabenkenntniß und im Lesen nach einer neuen und leichten Methode.
Neben dem Methodischen sind hier die Inhalte besonders interessant, die an den Lehrgang anschließen:
"Ein kleiner Tugendspiegel" belehrt die Mädchen über 14 erwünschte Eigenschaften: Schweigsamkeit, Ordnung, Sparsamkeit, Fleiß, Reinlichkeit, Keuschheit und anderes, eben die gesellschaftlichen Erwartungen an eine Frau im Bürgertum.
Dazu liegt ein Formular mit einer Tugendtabelle bei. Täglich soll eingetragen werden, welche Tugend gelungen ist und wo Fehler gemacht wurden.
Schließlich noch 23 Kupferstiche mit Bilder-Puppen, die Frauen aus verschiedenen Ständen und bei verschiedenen Tätigkeiten vorstellen. Dazu Texte, in denen das beschrieben ist. Insgesamt ein Rollenbuch für Frauen in der Ständegesellschaft der Zeit.
Diese Inhalte sind für mein aktuelles Methoden-Thema zwar irrelevant, aber doch ein anschauliches Zeugnis für die Mädchenerziehung in der Ständegesellschaft.
Ich nehme mir vor, das später für ein Fibel-Porträt genauer zu betrachten. Es gibt übrigens auch das Pendant: die Lese-Schule für Jungen.